Mit großen Ambitionen traten wir zu unserem ersten Weltpokal, der 2022 in München stattfand, an. Durch den Meistertitel in der Saison 2021/22 haben wir uns für den internationalen Pokal der Meister aller Mitgliedsländer qualifiziert. Sozusagen war es auch unser Lohn für die starke vergangene Saison und natürlich wollte wir deshalb unsere erste Weltpokalteilnahme auch dementsprechend genießen. Aber dass wir auch durchaus mit den weltbesten Mannschaften mithalten können, haben die Champions League Spiele gegen KK Neumarkt bereits in der Saison 2021/22 gezeigt.
An den ersten beiden Wettkampftagen wurde die Qualifikation ausgetragen. Alle 13 teilnehmenden Teams spielten mit 6 Spielern und die vier Mannschaften, die am Ende der Qualifikation die meisten Kegel erzielt haben, steigen ins Halbfinale auf. Und das Halbfinale zu erreichen war unser ganz großes Ziel, auch wenn wir wussten, dass es ambitioniert ist.
Als unser erster Starter ging erwartungsgemäß Martin Rathmayer auf die Bahn. Er hatte bereits 2017 beim NBC-Pokal eine sehr gute Leistung auf der 10-bahnigen Anlage in München abgeliefert und deshalb sollte er für einen guten Start in den Bewerb sorgen. Vor allem ins Volle bewies er eine sehr starke Gassentrefferquote und mit einigen 9ern im Abräumen, konnte er die Bahnen stehts über 160 Kegel abschließen. Am Ende standen 671 Kegel auf der Anzeigetafel und der Auftakt war somit geglückt.
Michal Kratochvil war als zweites am Start. Auch er zeigte vor allem ins Volle eine ausgezeichnete Leistung, vergab aber leider im Abräumen immer wieder eine noch höhere Quote. Mit 611 Kegel verließ er am Ende doch mit etwas Frust die Bahn, da er merkte, dass durchaus mehr drinnen gewesen wäre.
Den Abschluss am ersten Quali-Tag machte Honza Mecerod. Trotz Nervosität spielte er eine wirklich starke Leistung und brachte uns damit in eine gute Position fürs Halbfinale. Im Gegensatz zu Martin und Michal spielte er auch ins Abräumen präzise und krönte unseren Wettkampftag mit 674 Kegel. Wie schon erwähnt lagen wir damit äußerst gut im Rennen um die Top-4-Ränge.
Am nächsten Tag ging es gleich im ersten Durchgang mit unserem vierten Starter Lukas Temistokle weiter. Gerade aufgrund seiner bisher gezeigten Saisonleistungen, auch bei Auswärtsspielen, war die Erwartungshaltung an ihn natürlich unheimlich groß. Leider benötigte Luki eine Zeit lang bis er zu seinem Spiel fand. Die zweiten 60 Wurf waren deutlich besser als die ersten. Auf der dritten Bahn verbaute er sich mit zwei schlechten Anwürfen eine höhere Zahl, aber auf der letzten Bahn zeigte er nochmal sein ganzes Können und schraubte sein Endergebnis auf 635 Kegel rauf.
Nach vier Spielern lagen wir nun auf Platz 4. Auf Platz 1 lag überlegen der SKV Rot Weiß Zerbst, gefolgt vom KK Neumarkt und ab dem 3. Platz wurde es eng. Diesen belegte nach vier Spielern der Zalaegerszeg TK aus Ungarn. Mit Belgrad, Podbrezova und Split lagen drei Teams knapp hinter uns. Patrick Fritz war nun am Start und er brachte uns ins Volle immer wieder ins Schwitzen. Dafür konnte er im Abräumen überzeugen und so auch sein Endergebnis nach oben schrauben. Zum Schluss war es fast schade, dass es schon vorbei war, denn da traf er alles was stehen blieb, spielte 9er und das mit voller Überzeugung. Mit 632 Kegel hielt er uns weiter im Rennen und wir konnten die Ungarn sogar überholen. Allerdings war noch immer alles ganz eng zwischen Platz 3 und 7.
Aber um ehrlich zu sein wussten wir, dass wir mit Matthias Zatschkowitsch als Schlussspieler eine absolute Bank hinten raus hatten. Und er legte vor, denn die anderen Teams, die noch um den Halbfinaleinzug kämpften, starteten eine bzw. zwei Runden später. Und wie soll man nun Matthias Leistung beschreiben. Einfach Weltklasse trifft es wohl am besten! Wie wir es von ihm gewohnt sind, zeigte er keine Nervosität, spielte Präzise und egal was ihm im Abräumen stehen blieb, man brauchte sich keine Sorgen machen, dass er es nicht wegspielen würde. Mit 712 Kegel erzielte er als einer der wenigen Spieler, die nicht bei Zerbst spielen, einen 700er und machte es den Konkurrenten um den 3. und 4. Platz extrem schwer.
Und so kam es dann auch, dass niemand an seine 712 Kegel heran kam und wir als drittplatzierter ins Halbfinale einzogen. Mit 3935 Kegel erzielten wir unsere beste Auswärtsleistung!
Der Gegner im Halbfinale war ein alter Bekannter, denn bereits im Champions League Viertelfinale des Vorjahres trafen wir auf den KK Neumarkt aus Italien. Mit dem Slowaken Erik Kuna als Neuzugang waren die Italiener nochmal etwas stärker als in der Vorsaison.
Halbfinale gegen KK Neumarkt
Am Freitag war es dann soweit. Um 16 Uhr startete das Halbfinale. Wir starteten mit Michal Kratochvil und Patrick Fritz. Michal traf auf Vilmos Zavarko und Patrick auf Routinier Wolfgang Blaas. Unsere beiden Spieler fanden nur schwer ins Spiel, auch Blaas tat sich schwer, währenddessen startete Zavarko, wie erwartet, stark. Patrick verlor den ersten Satzpunkt leider knapp mit 146 zu 147 Kegel. Michal verlor gleich zu Beginn mit 135 zu 186, 51 Kegel. Doch ab diesem Zeitpunkt hielt Michal mit dem Weltbesten Spieler der letzten Jahre mit und konnte auf 1:1 stellen. Auch Patrick konnte in Satzpunkten ausgleichen und ging sogar kegelmäßig in Führung. Er verpasste es leider nur einen schwächelnde Blaas noch mehr Kegel abzunehmen. So blieb das Duell weiterhin spannend. Patrick erwischte die dritte Bahn ins Volle traumhaft, Blass im Abräumen und so blieb der Satzpunkt erneut denkbar knapp mit 161 zu 166 Kegel bei den Italienern. Währenddessen hielt auch Michal gut mit Zavarko mit und blieb ihm auf den Fersen. Im dritten Satz reichte es mit 159 zu 166 Kegel nicht für den Punkt. Der letzte Satz gehört wieder ganz dem Serben, der sich am Ende mit 3:1 und 685 zu 615 Kegel durchsetzte. Im Duell Patrick gegen Blaas wurde es hintenraus nochmal richtig spannend. Patrick fehlte am vorletzten Wurf etwas das Spielglück und so behielt der Italiener mit 606 zu 604 Kegel die Oberhand.
Damit standen wir nun schon mit dem Rücken zur Wand, allerdings war uns das bereits vor dem Spiel bewusst, dass das passieren kann. Weshalb unser Mitteldurchgang weiterhin motiviert ans Werk ging und vor allem Martin Rathmayer ging die Rechnung gegen Tamas Kiss auf den ersten Bahnen gehörig auf. In einem qualitativ hochwertigen Duell holte Martin mit 178 und 184 Kegel die ersten beiden Satzpunkt und ging mit 26 Kegel in Führung. Auf der dritten Bahn kam ihm der Neo-Italiener immer näher und konnte ihn mit vier 9ern zum Abschluss kegelmäßig sogar überholen. Der letzte Satzpunkt war für Martin nun Pflicht, doch auf der letzten Bahn fand der von Beginn weg nicht zu seinem Spiel und so musste er Kiss sang und klanglos ziehen lassen. Das Duell endete mit 695 zu 673 Kegel erneut für den KK Neumarkt. Besser lief es bei Lukas Temistokle gegen Armin Egger. Nach einer knappen Niederlage im ersten Satz, schlug Luki postwendend zurück und ließ sich von diesem Zeitpunkt an die Butter nicht mehr vom Brot nehmen. Mit 167, 157 und 168 Kegel machte er jeweils den Satzpunkt, konnte sich im Vergleich zur Quali auch steigern und erzielte mit 651 zu 634 Kegel unseren ersten Mannschaftspunkt.
77 Kegel waren es somit vorm letzten Durchgang in dem Neumarkt beide aufgestellte Spieler durch taktische Wechsel ersetzte und somit Matthias Zatschkowitsch mit Georg Righi den vermeintlich „schwächsten“ Spieler der Italiener bekam. Honza Mecerod bekam es mit Neuzugang Erik Kuna zu tun. Leider bleib eine Überraschung aus. Matthias fand zwar schwer zu seinem sonst überragendem Spiel, ab dem 2. Satz war er aber der spielbestimmende Spieler und wies Righi in die Schranken. Mit 663 zu 608 Kegel holte er 55 Kegel auf und holte unseren zweiten Mannschaftspunkt. Honza war in seinem Duell der Außenseiter, es war anzunehmen, dass er eine ähnliche Leistung wie in der Qualifikation benötigte, um den slowakischen Legionär den Mannschaftspunkt abzuknöpfen. Doch Kuna konnte ihn im ersten Satz gleich mal um 29 Kegel abhängen. Honzi schlug im zweiten Satz zurück, hatte aber noch immer 21 Kegel Rückstand. Der Neo-Neumarkter ließ im dritten Satz keinen Zweifel aufkommen, wer als Sieger von der Bahn gehen würde und setzte sich um 42 Kegel von Honza ab. Honza kämpfte brav weiter, aber eine richtig hohe Bahn wollte ihm an diesem Tag nicht gelingen. Mit 661 zu 617 Kegel ging der Mannschaftspunkt klar an den KK Neumarkt und somit standen die Italiener als Finalist fest.
Mit 3823 zu 3889 Kegel lagen am Ende 66 Kegel zwischen uns und den Neumarktern. Wir waren also wieder auf Schlagdistanz, vor allem wenn man davon ausgeht, dass wir nicht am Leistungslimit agiert haben. Aber in solchen Spielen muss man dann eben nochmal eine Schippe drauflegen und das haben wir an diesem Tag nicht geschafft. Somit bleibt nach der 2:6 Niederlage „nur“ das Spiel um Platz 3 gegen den Zalaegerszeg TK.
Spiel um Platz 3
Im Spiel um Platz 3 wurde die Bahn gewechselt. Auf der großen Anlage in München gab es ein paar Stiegen rauf und den Gang nach hinten eine weitere 8-bahnige Anlage, wo unter der Woche der Europapokal ausgetragen wurde.
Gegen den Ungarn aus Zalaegerszeg hatten wir beschlossen unsere Aufstellung aus den Heimspielen anzuwenden, damit wir psychologisch vielleicht auch die Heimleistungen anknöpfen können. Leider ging dieser Plan total schief. Kaum einer von uns zeigte eine gute Leistung.
Martin Rathmayer konnte, wie auch gegen Neumarkt, die ersten beiden Satzpunkte einfahren. Mit einem schwachen Start auf der dritten Bahn und einer schwachen Abräumleistung machte er seinen Gegner allerdings wieder stark. Auf der letzten Bahn hatte er nichts mehr dagegen zu setzen und verlor so bei 2:2 mit 632 zu 657 Kegel. Honza Mecerod bekam es mit Levente Kakuk zu tun. Auf den ersten beiden Bahnen war es ebenfalls ein enges Duell, allerdings immer mit dem besseren Ende für den großen Ungarn. Der dritte Satz brachte die Vorentscheidung zu Gunsten von Zalaegerszeg. Den letzte Satz konnte Honza mit 149 zu 147 Kegel knapp gewinnen, mit 591 zu 642 Kegel verlor aber auch er deutlich und somit liefen wir erneut einen großen Rückstand hinterher.
Leider machten es im zweiten Durchgang Lukas Temistokle (gegen Attila Nemes) und Patrick Fritz (gegen Adam Farkas) nicht besser. Patrick verschlief die ersten 60 Wurf fast komplett, während sein Gegner mit 343 Kegel startete. In der zweiten Halbzeit lieferten sich die beiden ein enges Duell. Patrick konnte man seinen Kampfgeist nicht absprechen, am Ende gewann dennoch sein Gegner überlegen mit 3:1 und 630 zu 586 Kegel. Luki startete vielversprechend und holte sich mit 166 zu 164 Kegel knapp den ersten Satz. In einem schwächeren Duell auf der zweiten Bahn hatte Luki mit 145 zu 147 Kegel das Nachsehen. Ab dann fand Luki nicht mehr ins Spiel und Nemes dafür umso besser. Das Endergebnis war ebenso klar, wie bei den anderen Duellen 3:1 für Zalaegerszeg und 658 zu 593 Kegel.
Ein Wunder musste nun her, aber es blieb aus. Matthias Zatschkowitsch spielte mit 666 Kegel die Partiebestleistung und zeigte, dass zumindest ein Spieler von uns an diesem Tag konkurrenzfähig war. Mit einem glatten 4:0 schoss er seinen jungen Gegner von der Bahn. Michal Kratochvil war an diesem Tag zu unkonstant um die schwächeren Phasen seines Gegners auszunutzen. Er bekam zwar immer wieder die Chance auf einen Satzpunkt, aber bis zum Schluss blieb ihm einer verwehrt. Mit 587 Kegel bekleckerte auch er sich nicht mit Ruhm und vollendete unsere schwache Leistung in diesem so wichtigen Spiel.
Das Spiel endete somit klar mit 7:1 für den Zalaegerszeg TK. Von dem Gesamtkegeln her waren wir mit 3655 zu 3811 Kegel meilenweit von den Ungarn entfernt.
Fazit
Wir haben in der Qualifikation zum ersten Mal auf einer Bahn außerhalb von Orth über 3900 Kegel gespielt. Haben dort wirklich gezeigt, dass wir auch mit den Top-Mannschaften (abgesehen von Zerbst und Neumarkt) mithalten können. In den darauffolgenden Punktespielen waren wir noch zu grün hinter den Ohren. Vor allem gegen die Ungarn hat sich die vorhandene Routine von Nemes, Kakuk und Feher bemerkbar gemacht. Schlussendlich muss man sagen, dass wir wahrscheinlich unsere stärkste und schwächste Auswärtsleistung innerhalb weniger Tage gebracht haben. Aber es gibt keinen Grund jetzt alles schlecht zu reden. Wenn wir überlegen wir unser Weg seit 2014 stehts bergauf geht, werden wir auch dieser sehr erfolgreichen Woche einiges mitnehmen und weiter an uns arbeiten. #together
Mit dem 4. Platz beim Weltpokal haben wir uns für die Champions League qualifiziert. Wir sind außerdem in der ersten Runde gesetzt und somit bleiben uns Gegner wie Zerbst, Neumarkt oder Zalaegerszeg erspart. Dazu haben wir im Hinspiel das Heimrecht. Die 1. Runde der Champions League findet am 26.11.2022 (Hinspiel) und am 10.12.2022 (Rückspiel) statt. Wer unser Gegner sein wird, erfahren wir in den nächsten Wochen.