Am vergangenen Samstag nahm eine unglaublich erfolgreiche Europapokalwoche ihr Ende. Bei der zweiten Teilnahme an einem Europapokal (Pokal der Vizestaatsmeister) holten wir uns im Spiel um Platz 3 die Bronzemedaille.
Was war das für eine verrückte Woche? Kurz vor dem Aus in der Qualifikation, eine Hinrichtung im Halbfinale und dann eine alles überstrahlende Bronzemedaille am letzten Tag beim Europapokal in Varazdin (CRO).
Wir wussten, dass wir in der Qualifikation zu den Mitfavoriten auf die Halbfinalplätze gehörten. Wenn wir also unsere Leistung in der Quali bringen, sollten wir uns unter den letzten 4 platzieren. Natürlich waren das alle nur Theorien. Am Ende wurde es richtig eng. Trotz gutem Beginn durch Lukas Temistokle (611) und Martin Rathmayer (608) war man von einem Sicherheitsvorsprung noch meilenweit entfernt. Michal Kratochvil startete ebenfalls stark in sein Qualifikationsspiel, allerdings verlor er auf den zweiten 60 Wurf den Faden und landete schlussendlich bei 571 Kegel. Als unser letzter Starter am zweiten Tag ging der in guter Form befindliche Patrick FRITZ auf die Bahn. Zu unserer großen Überraschung fand er auf der ersten Bahn gar nicht in sein Spiel. Erich Kaufmann stand als Ersatz schon in den Startlöchern, als Patrick allmählich wieder in die Spur fand und schlussendlich mit starken 300 Kegel auf den zweiten 60 Wurf Schadensbegrenzung betrieb. Mit 555 Kegel konnte er den Rückstand auf den erhofften und gewünschten 4. Platz doch noch in Grenzen halten.
Am letzten Tag der Qualifikation verabschiedeten sich zuerst die Rumänen und dann die Ungarn aus Repcelak aus dem Rennen um die Top 4. Split und Belgrad konnten sich zu uns schon etwas absetzen, war dennoch in Reichweite. Jiri Vesely begann bärenstark, spielte gleich zu Beginn 170 Kegel, doch sein Spiel wurde zunehmend unkonstanter und so raufte er schlussendlich mit dem 600er. Mit 598 verlor er zudem noch 7 Kegel auf Trstena Starek, unseren direkten Konkurrenten, um den vierten Platz. Der Rückstand auf Platz 4 betrug damit vor dem letzten Starter 27 Kegel. Trstena Starek ging einen Durchgang vor Matthias Zatschkowitsch auf die Bahn. Gespannt sahen wir dem letzten Slowaken bei seinem Spiel zu. Es deutete alles darauf hin, dass Matthias eine Leistung jenseits der 640 Kegel benötigte, um uns vor den Slowaken einzureihen. Doch am Ende ließ der Slowake doch noch Federn und landete „nur“ bei 598 Kegel. Somit war klar, Matthias benötigte 626 Kegel um einen Kegel vor Trstena Starek zu sein. Und Matthias legte einen wahren Traumstart hin. Mit 347 Kegel ging er auf die dritte Bahn. Also nicht nur, dass er auf dem besten Weg war uns ins Halbfinale zu spielen, er war auch drauf und dran Split bzw. Belgrad einzuholen. Doch leider folgte dann der große Einbruch. Nach 133 Kegel auf der dritten Bahn benötigte er plötzlich wieder 146 Kegel zum Abschluss. Und es wurde ein Krimi bis zum letzten Wurf. Als alles schon verloren aussah, gelang Matthias 4 Wurf vor Schluss ein 9er, damit war er wieder im Spiel. Er räumte mit den nächsten zwei Wurf ab und benötigte nun am alles entscheidenden letzten Wurf einen 6er. Nicht 100% ideal lief die Kugel in die linke Gasse, aber es fielen zu unserer großen Erleichterung die gebrauchten 6 Kegel um. Endergebnis der Qualifikation: Staffelstein mit neuem Bahnrekord deutlich vor Split und Belgrad und vierter wurden wir, mit einem Kegel Vorsprung auf Platz 5.
Das Halbfinale ist schnell zusammen gefasst. Die alles überragenden Staffelsteiner überrollten uns im Kampf um Platz 1 und siegten mit eine glatten 8:0. Vor allem der Start der Deutschen war übermächtig. Bei Markus Gerdau, Torsten Reiser und Matthias Dirnberger standen jeweils über 660 Kegel auf der Anzeige. Trotz soliden Starts konnten unser Spieler nicht mithalten. Im zweiten Durchgang sah man ein ähnliches Bild, zudem war unsere Gegenwehr auch nicht mehr so groß. Mit 3818:3489 Kegel war der SKC Staffelstein an diesem Tag eine Nummer zu groß. Natürlich war eine gewisse Enttäuschung nach dieser satten Niederlage spürbar, aber die Vormachtstellung der Deutschen war einfach anzuerkennen und mit dem nächsten Tag konnte die Niederlage wieder gut gemacht werden.
Wie auch wir, spielte der KK Belgrad kein gutes Semifinale. Sie kamen als dritter aus der Quali, wir als vierter, man wusste nicht so richtig, wer er Favorit in diesem Duell war. Uns war nur klar, dass wir Chancen auf den Sieg hatten und diese wollten wir nutzen. Von Beginn weg entbrannte im ersten Durchgang ein enger Kampf. Martin Rathmayer benötigte gegen Sakic 167 Kegel um den Satzpunkt zu gewinnen. Bei Lukas Temistokle reichten 137 Kegel. Patrick Fritz blieb am vermeintlich stärksten Serbien ordentlich dran und verlor nur knapp mit 144 Kegel. Im zweiten Satz revanchierte sich der Gegner von Martin und schnappte ihm den Punkt um einen Kegel weg. Lukas machte seine Sache erneut gut und stellte auf 2:0. Und auch Patrick schrieb mit 146:141 Kegel an und hielt sein Duell offen. Dann kam der schwere Einbruch unserer drei Startspieler. 134 Kegel waren ebenso zu wenig, wie Martins 131 und Lukas 128 Kegel. Martin verlor dadurch ordentlich an Boden und lag plötzlich 18 Kegel zurück. Patrick verlor nur 6 Kegel und blieb durchaus im Rennen um den Mannschaftspunkt. Luki hatte glücklicherweise bereits 2 Satzpunkte, denn auch er lag nun 11 Kegel zurück. Unglaublich was anschließend an Dramatik folgte. Patrick setzte Simijonovic immer mehr unter Druck, im Endeffekt fehlte ihm nur der Streuer auf den Mannschaftspunkt, aber somit blieb der Serbe mit 566:562 Kegel der Sieger. Um den Duellsieg ebenso hart kämpfte Lukas. Nach dem Volle lag er bereits 8 Kegel zurück, diesen Rückstand konnte er egalisieren und mit einem starken Abräumen an seinem Gegner vorbeiziehen. Mit 566:569 Kegel verlor er zwar kegelmäßig, holte aber mit einem 3:1 Satzpunktesieg den für uns so wichtigen Mannschaftspunkt. Bis zum Schluss kämpfte auch Martin um den Mannschaftspunkt. Am vorletzten Wurf hatte er alles in der Hand, trifft er zwei nebeneinanderstehende Kegel, hat er den letzten Wurf ins Volle und kann damit das Duell für sich entscheiden. Aber leider, er verfehlte und der Mannschaftspunkt wanderte mit 606:603 Kegel zum Serben.
1:2 und minus 10 Kegel aus unserer Sicht, also alles noch möglich. Matthias Zatschkowitsch war gegen den Routinie Popovic klarer Favorit, ebenso wie Ostojic gegen unseren Michal Kratochvil. Deshalb lautete das wohl vermeintlich entscheidende Duell Jiri Vesely gegen Bojan Klicaric. Matthias punktet wie erwartet gleich auf Bahn 1. Jiri und Michal mussten knappe Niederlagen einstecken. Bei Michal lief es anschließend nicht besser. Unser großes Glück war, dass auch Ostojic schwer mit der Bahn zu kämpfen hatte. Michal stellte daher mit 131 Kegel auf 1:1. Bei Matthias lief es weiterhin gut, er sicherte sich auch Satz Nr. 2 und gewann wichtige Kegel für uns. Jiris Motor kam nun richtig zum Laufen. Mit 164 Kegel auf der zweiten Bahn stellte er wie Michal auf 1:1 und ließ unsere Hoffnung wieder eindeutig steigen. Den dritten Satz dominierten Jiri und Matthias. Matthias sicherte sich somit den Mannschaftspunkt und Jiri ging mit 2:1 und einem deutlichen Kegelplus in Führung. Bei Michal wurde es einfach nicht besser. Er kämpfte vergebens, was allerdings an einem deutlichen Kegelplus von über 60 Kegel für uns nicht änderte. Auf der allerletzten Bahn merkte man bereits nach ein paar Wurf, dass beiden Mannschaften klar war, wer als Sieger von der Bahn gehen würde. Jiri spielte Partiebestwert mit 634 Kegel und holte den Mannschaftspunkt ebenso wie Matthias mit 608 Kegel. Mit einem 5:3-Sieg über Belgrad stand der 3. Platz beim Europapokal in Varazdin 2019 fest! Bereits auf der Bahn wurde im Kreis getanzt und auch in der Umkleidekabine kannte die Freude keine Grenzen.
„Es war einfach ein unglaubliches Gefühl bei der Siegerehrung auf dem Treppchen zu stehen und den Pokal in die Höhe zu stemmen“, äußerte sich Martin Rathmayer zu seinen Glücksgefühlen. Und Rathmayer weiter: „Es hat sich bereits abgezeichnet, dass die Form bei uns stimmt und ich glaube diese Bronzemedaille ist jetzt der verdiente Lohn dafür. Jetzt wollen wir natürlich auch in der Champions League angreifen.“
Bevor allerdings die 1. Runde in der Champions League gegen Podbrezova ansteht, wird die Herbstsaison fertig gespielt. Als nächstes wartet der Aufsteiger aus der Bundesliga West Grün Weiß Micheldorf auf uns. Wir empfangen die Micheldorfer am 12.10. im Kegelsportzentrum Orth um 14 Uhr.
